Der Tuningmarkt ist Deutschland ist im weltweiten Vergleich einer der umsatzstärksten, neben Amerika. Gleichzeitig ist Deutschland Vorreiter in Sachen Mass Customization. Doch das Angebot an personalisierten Auto-Zubehör ist sehr bescheiden. Wie passt das zusammen?

Laut dem Verband der Automobil Tuner (VDAT) wird der weltweite Umsatz deutscher Unternehmen mit sportlichem Autozubehör und Tuningteilen in 2011 auf 4,6 Mrd. Euro beziffert. Zudem zeigt der „AutoTeileOnlineMonitor“ (ATOM) des Marktforschungsunternehmens TNS Infratest, dass der Autoteilehandel immer stärker ins Internet wandert: „In den letzten beiden Jahren haben in Deutschland rund sieben Millionen Autofahrer Ersatzteile, Reifen, Felgen oder Zubehör für ihr Auto im Internet eingekauft – Tendenz steigend„.

Dennoch ist das Angebot an personalisierten Autoteilen trotz dieser günstigen Bedingungen vergleichsweise bescheiden. Im Bereich der Lebensmittel sind wir mittlerweile bei mehr als 80 Anbietern. Und bei individueller Mode dürfte schon bald die Marke von 100 Anbietern gebrochen werden. Die Kategorie Auto-Zubehör zählt dagegen, gerade einmal acht Online-Shops. Große Marken vielen hier sogar fast komplett. Einzig Pirelli hatte 2012 den Versuch gestartet personalisierte Motorradreifen online zu vertreiben.

Die Ausnahmen der Regel: Autofolierung

Einzige Ausnahme in diesem Bereich stellt die Fahrzeugfolierung dar. Hier sind zumindest gleich drei Unternehmen gestartet die das Ziel verfolgen selbst gestaltete Autofolien anzubieten. Den Anfang machte Carglam. Mittlerweile haben sich noch mit TuningSkins und Carfrogger noch zwei weitere Autofolierer dazu gesellt.

Unter Carfrogger.de lässt sich online eine individuelle Autofolie gestalten

Tuning ≠ Mass Customization

Nun könnte man natürlich behaupten jede Art von Tuning ist ja bereits eine Personalisierung. Das stimmt auch soweit. Jedoch ist es kein Mass Customization. Die Tuning-Teile (Felgen, Reifen, Stoßstangen) stammen weiterhin aus einer Massenproduktion und sind damit alle gleich.

Wirklich personalisiertes Tuning ist erst gegeben, wenn auch das Zubehör selbst individuell für den Besteller gefertigt worden sind. So wie bei den bereits genannten Beispielen der selbst gestalteten Autofolien oder den personalisierten Reifen von Pirelli.

Der Reifenetiketten-Konfigurator von Pirelli

Es bleibt die Frage: Warum ist Mass Customization in der Autoteile-Welt immer noch so stark unterrepräsentiert?

Abonniere den egoo Newsletter mit deinen Lieblingsthemen. Damit bekommst du eine Benachrichtigung bei neuen Artikeln mit denen von dir gewählten Themen.

Ähnliche Beiträge



2 Responses

  1. Ro Waedt

    Die Frage ist relativ leicht zu beantworten wenn man sich mit dem Thema Tuning auseinandergesetzt hat.
    1. Jedes Teil in Deutschland das man an sein Auto bauen möchte muss(!) auf irgendeineweise geprüft sein. Da gibt es das E-Prüfzeichen (z.B. bei Leuchten und Leuchmittel) und für jede Art von Spoiler ein TÜV-Gutachten das der Hersteller einmalig für sein Teil beantragen muss. Hier kann man sich vorstellen, dass die Prüfung sehr teuer ist. Der Spoiler wäre dann ohne spezielle Eintragung soweit legal. Es gibt noch den Sonderfall einer Einzeleintragung beim regionalen TÜV aber auch hier kommen enorme Summen auf einen zu „nur“ weil man eine spezielle Stoßstange oder ähnliches möchte. OB man mit dem Teil überhaupt durch den TÜV kommt ist auch sehr fraglich und sehr abhängig von „Verbindungen“. Schließlich ist der TÜV vor Ort eigentlich nicht für sowas da.
    2. Der Produktionsprozess für eine individuelle Stoßstange ist derzeit nicht bezahlbar. Die Teile sind meistens aus GFK gefertigt – für jede Stoßstange müsste eine Gussform angefertigt werden. Hier kann man sich vorstellen, dass es für 95% der üblichen Tuning-Freaks einfach nicht möglich ist. Einzige Hoffnung wären 3d-Drucker aber die müssten dann auch noch sehr groß sein… Diese einzelne Stoßstange müsste dann noch wie bei Punkt 1 geprüft werden.
    Folien wie in den Beispielen genannt beinträchtigen die Sicherheit für Fahrer und andere Verkehrsteilnehmer nicht – daher ist es auch kein Problem hier ein Angebot zu schaffen.
    Dazu kommt auch noch, dass die hohen Spritpreise der letzten Jahre die Tuningszene massiv gestört haben. Die meisten Tuner machen ihre Autos ja nicht „hübscher“ um es in der Garage zu lassen oder nur auf 2-3 Treffen zu zeigen sondern auch um damit durch die Gegend zu düsen. Ein Investitionsgut, das den Wert des Autos steigern würde bei einem Verkauf ist das Tuning in der Regel auch nicht (ausser im Premium-Segment wie bei AMG, ABT Sportsline, AC Schnitzer, Brabus etc.)
    Roland ( woonio.de )

    Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.