Wenn es um Mass Customization geht, kommen mir zunächst individuelle Produkte in den Sinn, die jeweils nur ein einziges Mal für einen Kunden hergestellt werden. Bei MeinSpiel.de sind das zum Beispiel Kartenspiele mit individuellen Motiven oder Memo-Sets, auf denen Kunden ihre Urlaubserlebnisse verewigen. Und diese kundenindividuellen Einzelproduktionen sind auch der Kern des Mass Customization. Doch wie lässt sich ein solches Geschäftsmodell mit dem B2B-Bereich verknüpfen, also der Kundengruppe aus Unternehmen, Verlagen, Verbänden oder öffentliche Institutionen?

Zum einen wollen auch im Mass Customization ohnehin viele Kunden gleich mehrere Exemplare ihrer Kreation bestellen (zum Glück der Anbieter). Zum anderen gibt es Kunden, die ihr spezielles Produkt gleich massenweise produzieren lassen möchten. Und diese Kundengruppe bildet den B2B-Bereich.

Da stellt sich die Frage, ob das überhaupt noch Mass Customization ist. Definitionsgemäß eigentlich nicht, denn es geht streng genommen um klassische Auftragsproduktionen. Allerdings ist es für viele Mass Customizer aus unternehmerischer Sicht doppelt sinnvoll, auch auf diesen B2B-Bereich zu setzen. Warum das so ist, möchte ich in diesem Gastartikel aufzeigen.

B2B-Projekte bei MeinSpiel

Als wir unsere Online-Plattform für individuelle Spiele planten, fokussierten wir uns anfangs auf Privatkunden, die individuelle Einzelstücke und Kleinserien produzieren lassen wollen. Als Nebeneffekt wurden auch Menschen in verschiedenen Unternehmen auf unsere Plattform aufmerksam und fragten an, ob wir auch deren Spielideen in größeren Auflagen umsetzen könnten.

Warum nicht? Schließlich hatten wir das Produktions-Know-How und enge Kontakte zu entsprechenden Herstellern. So organisierten wir für die Kunden komplette Großauflagen-Produktionen in separaten Projekten, woraus wir nach und nach standardisierte Prozesse für die Gruppe der B2B-Kunden entwickelten.

Die Kunden – Vom Schlachter bis zum DAX-Konzern

Für welche Art von Kunden kommen solch Großauflagen-Produktionen überhaupt in Frage?

Bei MeinSpiel kann man dazu nach rund 1.000 B2B-Aufträgen in den letzten Jahren so ziemlich die gesamte Bandbreite an Branchen rechnen, die es gibt. Angefangen vom kleinen Schlachter-Laden, über den mittelständischen Betrieb bis hin zu DAX-Schwergewichten wie Siemens oder Lufthansa. Sogar die Presseabteilung der Bundesregierung hat schon eigene Spiele bei uns bestellt.

Auch wenn es eine große Kundenvielfalt gibt, ähneln sich die erstellten Spiele oft. So stellen beispielsweise Hersteller von technischen Produkten gern ihre Produkte in einem Quartett vor, in dem man zum Beispiel Motoren oder Maschinen vergleicht. Auch stellen viele Architekten Ihre Bauprojekte als klassisches Quartettkartenspiel vor. IT-Agenturen setzen stattdessen bei MeinSpiel auf individuelle Planning Poker-Karten – ein Spiel, das zur Aufwandsschätzung in der agilen Software-Entwicklung eingesetzt wird. Häufig bestellen auch Coaches oder Berater individuelle Kartensets, die sie für ihre Seminare einsetzen und dort zum Teil auch verkaufen.

Planning Poker Karten von MeinSpiel.de

B2B als Möglichkeit zum Bootstrapping

Zwar lässt sich der B2B-Bereich nicht zum Kerngeschäft des Mass Customization zählen, nur würden wir heute ungern auf diese Kundengruppe verzichten.

Erstens stellt der Bereich eine wichtige Erlösquelle dar, die zudem die saisonalen Schwankungen im Einzelstück- und Kleinserienbereich etwas abfedert. Und zweitens lässt sich dieser Unternehmensbereich ohne größere Investitionen aufbauen, da die komplexen Produkt-Konfiguratoren hier nicht zwingend erforderlich sind, weil die Kunden ihre grafischen Vorlagen bei solch Projekten meist mit einer separaten Software erstellen.

Bei MeinSpiel konnten wir auf diesem Wege Teile der B2B-Erlöse in den technologischen Aufbau unserer Plattform investieren. So waren wir im Sinne des Bootstraping-Ansatzes nicht auf externe Kapitalgeber angewiesen.

Fazit

Als Gründer eines Mass-Customization-Startups sollte man in jedem Fall einfach mal schauen, ob es nicht auch Kundengruppen gibt, die mehr als nur Einzelstücke und Kleinserien wollen. Neben einer zusätzlichen Erlösquelle lässt sich so der Aufbau der Unternehmens per Bootstrapping, also ohne externes Kapital, erleichtern.

Zum Autor: Thorsten Kucklick ist Mitgründer bei MeinSpiel.de und bloggt auf DigitalBetrieb.de zum Thema Bootstrapping für Gründer.

Abonniere den egoo Newsletter mit deinen Lieblingsthemen. Damit bekommst du eine Benachrichtigung bei neuen Artikeln mit denen von dir gewählten Themen.

Ähnliche Beiträge



Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.